Harz Kurier: Ein Herzensprojekt entsteht

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In Kaolack (Senegal) wird ein Bildungskomplex gebaut, beteiligt sind die Elhadj Diouf Foundation und die Association Koumbi Saleh // Robert Koch

Kaolack. Es ist ein Traum, der momentan in Kaolack Realität wird. In der westafrikanischen Stadt im Senegal, mit Osterode durch die Schulfreundschaften und Partnerprogramme des Tilman-Riemenschneider-Gymnasiums und der Grundschule Lasfelde mit senegalesischen Schulen sowie den interkulturellen Austausch auf kommunaler Ebene eng verbunden, entsteht das École Elhadj Mamadou Diouf. Die Bauarbeiten laufen auf Hochtouren, eng begleitet durch die in Deutschland beheimatete Elhadj Diouf Foundation (EDF) sowie die Association Koumbi Saleh (AKS), die senegalesische Partnerstiftung vor Ort. Im Interview erläutert Bassirou Gakou, Präsident der AKS, den aktuellen Stand. Sie stehen der AKS als Präsident vor.

Bitte stellen Sie doch kurz das Team und die Ziele der EDF-Partnerstiftung vor.

Die EDF ist unsere Partner- und Zwillingsstiftung. Es ist kein Zufall, dass wir uns im selben Jahr, also 2018, gegründet haben. Wir teilen mit der EDF die identischen Stiftungsziele (Bildung, Gesundheit, Umwelt). Wir, das sind Herr Fofana (Schulleitungsmitglied), Herr Mbaye (Unternehmer), Herr Ngom (Mediziner), mein Sohn (Student) und ich (Übersetzer, Unternehmer). Tag und Nacht setzen wir uns – wie unsere Freunde der EDF – dafür ein, unseren Beitrag zu leisten, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Was kann sinnvoller sein, als die Bildung und Ausbildung unserer Jugend, das heißt unserer Zukunft, voranzutreiben?

 

Grundsteinlegung für den Bildungskomplex Elhadj Mamadou Diouf in Kaolack durch die AKS und den Bauleiter.

Was natürlich alle interessiert: In welcher Verbindung standen Sie zu Elhadj Diouf?

Elhadj Diouf war wie ein Bruder für mich. Wir wohnten im selben Stadtteil von Kaolack, in Sam. Nach dem Unterricht in seiner Schule, dem Lycée Valdiodio Ndiaye, im selben Teil von Sam verbrachte er oft Zeit in meinem Obstgarten, der nicht weit von der Baustelle des Schulkomplexes entfernt liegt, der bald seinen Namen tragen wird. Ich war für ihn wie ein großer Bruder, ein Vertrauter und ein Ratgeber. Bei jedem Besuch der deutschen Delegation mit Schülern des TRG Osterode in Kaolack ließ Elhadj sie in meinen Obstgarten kommen. Das war eine Gelegenheit, um Bekanntschaften zu schließen, sich auszutauschen und Erfahrungen zu teilen. Dort lernte ich auch Tobias Rusteberg kennen und unsere besondere Freundschaft nahm ihren Lauf. Er und Elhadj,das war das perfekte Team.

Tobias erinnert mich in all seinem Wirken an Elhadj, die beiden waren Seelenverwandte und ich tue alles dafür, dass diese wunderbare Geschichte trotz aller Tragik weitergeht. Jeder von uns hatte eine ganz enge Beziehung zu Elhadj. Eine tiefere Motivation zu handeln kann es kaum geben.

„Dieser Ort wird Hoffnung schaffen, Zukunft säen und ein Sinnbild dafür sein, dass wir alle gemeinsam unsere Welt zu einem besseren Ort machen können, wenn wir Hand in Hand agieren.“ Bassirou Gakou, Präsident der Association Koumbi Saleh

 

Kommen wir zum Bau des Bildungskomplexes Elhadj Mamadou Diouf. Wie ist es Ihnen samt Team gelungen, die Bauerlaubnis so schnell zu bekommen? Wie haben die Autoritäten auf Ihr Gesuch reagiert?

Das war kein Zuckerschlecken. Es brachte uns ein endloses Hin und Her und zahlreiche schlaflose Nächte ein. Der Unterpräfekt, der das letzte Wort in Sachen Baugenehmigung hatte, wies uns darauf hin, dass wir ihn mit unserer Leidenschaft für dieses Herzensprojekt begeistert haben. Er war sofort von der Ernsthaftigkeit des Ziels und dem sozialen Charakter des Projekts überzeugt.
Tatsächlich waren die Umstände zum Zeitpunkt des Bauantrags (August 2021) alles andere als günstig, da das Gebiet von Rechtsstreitigkeiten durchsetzt ist. Herr Fofana teilte uns mit, dass der Unterpräfekt ihm Stapel von Bauantragsakten gezeigt habe, die er seit seinem Einzug nicht weiterverfolgt habe. Aufgrund der Bedeutung des Projekts in der Gegend, aber vor allem wegen unseres sehr guten Rufes (gemeint sind EDF und AKS, Anmerkung der Redaktion) gaben uns die Autoritäten weit vor allen Anträgen die Bauerlaubnis. Das war für uns alle wie ein Feiertag, auch wenn die Arbeit damit erst richtig beginnen sollte.

 

Die Arbeiten laufen inzwischen auf Hochtouren. Beschreiben Sie doch bitte kurz, wie Ihr Alltag aktuell aussieht und wie Sie den Kontakt zur EDF halten.

Wir sind täglich zwischen 9 und 22 Uhr auf der Baustelle, manchmal auch bis Mitternacht. Wir stehen in ständigem Kontakt mit den Arbeitern und zwischen uns hat sich eine gewisse Vertrautheit entwickelt. Diese hat dazu geführt, dass die Arbeiter noch motivierter sind und teils über ihre Leistungsgrenze gehen. Die Regenzeit erschwert einzelne Bauabschnitte erheblich. Unsere Präsenz ermöglicht es, Anmerkungen zu allen Dingen zu machen, die wir nicht verstehen und Erklärungen zu verlangen. Wir informieren die EDF täglich über den Fortschritt der Arbeiten. Dies geschieht in Form von Bildern, Videos und Arbeitsprotokollen. Natürlich wird auch jede Ausgabe ordnungsgemäß quittiert, wir haften mit unserem Namen und Privatvermögen für die einwandfreie Durchführung des Baus. Wie muss man sich den Alltag der Arbeiter vorstellen? Wie viele Menschen sind aktiv und haben auch Sie die Auswirkungen von Krieg und Pandemie spüren müssen?
Die Arbeiter haben einen vollen Terminkalender und das von Montag bis Sonntag. Sie fangen um 8 Uhr an. Die Tagelöhner gehen um 17 Uhr nach Hause, aber Maurer und andere Spezialisten arbeiten mitunter auch bis 19.30 Uhr. Außerdem ist die technische Abteilung, die die Arbeiten überwacht, täglich anwesend. Die Zahl der Arbeiter, die zusätzlich zum technischen Stab beschäftigt werden, beläuft sich auf 35.

Die Auswirkungen des Krieges und der Pandemie sind deutlich spürbar, da die Preise für Grundnahrungsmittel in die Höhe geschnellt sind. Zum Beispiel kostet ein 50 kg-Sack Reis, der sonst etwa 22,30 Euro kostete, derzeit rund 27 Euro. Auch die Preise für Baumaterialien sind starkgestiegen. Eine Tonne Zement kostete früher etwa 65.000 CFA-Franc (etwa 100 Euro) gekostet hat, derzeit rund 80.000 CFA-Franc (123 Euro).

Blicken wir in die Zukunft. Wann soll der Bau fertiggestellt werden und in welchem Schuljahr soll es losgehen?

Wenn alles wie gewünscht verläuft, sollen die Arbeiten bis Ende März 2023 abgeschlossen sein. Die Schule sollte also im Schuljahr 2023/2024 oder spätestens 2024/2025 beginnen, so Gott will.

 

Ein solches Großprojekt ist nur mit zahlreichen Unterstützern aus aller Welt möglich. Was möchten Sie all denjenigen sagen, die durch ihre Spende zum Bau beitragen beziehungsweise warum sollten auch viele weitere Menschen Ihr Vorhaben unterstützen? 

Zunächst einmal möchten wir, im Namen der zukünftigen Schülerinnen, Schüler und Eltern, allen Privatleuten, Firmenunterstützern und Stiftungen, die an unser Projekt glauben und uns die Realisierung überhauptermöglichen, von Herzen danken.
In Zeiten von Corona, Ukraine-Krieg und Klimakrise ist es alles andere als selbstverständlich, dass man sich für ein Bildungsprojekt in mehreren tausend Kilometern Entfernung engagiert. Sie haben alle selbst große Herausforderungen und dafür wünschen wir Ihnen viel Kraft und Zuversicht. Für uns ist jede Spende „heilig“ und wir wissen, dass sich die École Elhadj Mamadou Diouf positiv auf die menschlichen Beziehungen und die Beziehungen zwischen den Völkern auswirken wird.
Dieser Ort wird Hoffnung schaffen, Zukunft säen und ein Sinnbild dafür sein, dass wir alle gemeinsam unsere Welt zu einem besseren Ort machen können, wenn wir Hand in Hand agieren. Wir, die AKS, tun alles dafür hier vor Ort, dass der Bildungskomplex zum Leben erwacht. Jede Unterstützung ist wichtig. Danke – oder wie wir sagen: Dieureudieuf!

 

Ganz persönlich: Was bedeutet es für Sie, dass in naher Zukunft die École Elhadj Mamadou Diouf Realität sein wird?

Es wird die Erfüllung unseres Lebenstraumes sein. Es wird mich und uns alle mit Stolz erfüllen, dass wir dazu beigetragen haben, das Andenken eines Bruders, eines Freundes, eines Humanisten, eines leidenschaftlichen Anhängers der Bildung und der guten Sache, Elhadj Mamadou Diouf, für Jahrhunderte in Ehren zu halten.
Ich kann mir nicht vorstellen, wie groß die Freude sein wird, die ich am Tag der Erfüllung dieses Traums in mir selbst und in so vielen weiteren Herzen auslösen werde. Das werden wir gemeinsam mit der EDF feiern und jeder Unterstützer wird sehen, was er durch sein Tun mitgestaltet hat.

 

www.555paten.de

Wer das Bildungsprojekt in Kaolack unterstützen möchte, zum Beispiel als einer von 555 Schulbaupaten, findet weitere Informationen online unter www.555paten.de. Der niedrigste verfügbare symbolische Baustein liegt aktuell bei 147 Euro.
Die Elhadj Diouf Foundation sucht auch interessierte Firmen für ihren Firmenunterstützerkreis. Nähere Informationen zur Arbeit der Stiftung gibt es online unter www.el-hadj-diouf-foundation.de oder per E-Mail an 555paten@web.de.

 

Aus: Harz-Kurier, Tageszeitung im Landkreis Göttingen, Ausgabe vom 18.10.2022,
Text: Robert Koch, Fotos: AKS / privat

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